In diesen Tagen, in denen die Welt draußen mit jedem Sonnenstrahl ein Stückchen mehr erwacht, zieht es mich immer wieder an meinen Maltisch. Im Garten stehen drei Osterglocken, die ihre gelben Köpfe dem Licht entgegenrecken. Sie warten nicht darauf, perfekt zu sein; sie blühen einfach.
Beim Malen dieser Frühlingsboten spüre ich oft diesen leisen Drang in mir, jede Linie exakt zu setzen und jede Schattierung makellos zu verblenden. Doch das Aquarell lehrt mich etwas anderes: Es geht um den Moment, in dem das Wasser die Farbe auf das Papier trägt – unvorhersehbar, lebendig und frei.
Ich habe mir für diesen Prozess eine Affirmation mit auf den Weg gegeben, die ich heute mit dir teilen möchte:
„Jeder Strich, den ich heute ziehe, ist ein Ausdruck meiner einzigartigen Sicht auf die Welt. Ich erlaube mir, im Prozess zu lernen, anstatt nach Perfektion zu streben.“
Wenn ich den Pinsel ansetze, geht es nicht um das fotorealistische Abbild. Es geht um das Gefühl der Wärme, das dieses strahlende Gelb in mir auslöst. Die kleinen Unregelmäßigkeiten im Farbauftrag sind es, die der Geschichte Leben einhauchen. Sie erzählen von der Bewegung meiner Hand und der Stille im Garten, die mich umgibt.
In meinem Atelier dürfen die Farben fließen, sich vermischen und ihre eigenen Wege gehen. Es ist ein Experimentieren, ein Spiel mit Licht und Pigmenten. In dieser Freiheit finde ich die wahre Poesie der Natur – denn auch im Garten ist keine Blüte wie die andere, und gerade in dieser Vielfalt liegt die Vollkommenheit.

Meine Einladung an Dich — eine kleine Übung. Wenn Du magst, probiere die Affirmation selbst aus, egal ob Du malst oder einfach schreibst:
Nehme ein kleines Blatt Papier, eine beliebige Farbe und mache einen ersten Strich ohne zu überlegen. Sage dir ruhig: „Jeder Strich zählt.“ Ziehe drei weitere Striche, beobachte, wie sie sich zueinander verhalten. Lass sie stehen, ohne sie zu verändern.
Betrachte das Ergebnis und schreibe in einem Satz auf, welches Gefühl die Striche in Dir wecken. Diese Übung ist kein Test — sie ist ein Fenster. Sie öffnet den Blick dafür, wie kleine Handlungen Ausdruck sind, wie der Prozess selbst Wert hat.
Ich lade dich ein, heute ebenfalls den Druck loszulassen. Vielleicht nimmst du dir einen Moment Zeit, um die Welt mit deinen eigenen, ganz persönlichen Augen zu sehen – fernab von jedem Perfektionsanspruch.


